LISTEN TO THE MUSIC – JOE DIBRUTTO

Die Band JOE DIBRUTTO dürfen Sie sich als Boygroup mit Bauchansatz vorstellen: schon seit Jahren im Geschäft, ebenso erfahrene wie exzellente Musiker mit beeindruckender Liveerfahrung, die nach kurzer Trennung jetzt wieder zusammengefunden haben. Mit LISTEN TO THE MUSIC haben sie ein Album veröffentlicht, das Spaß und Lebensfreude pur garantiert. Sie covern den 70er Jahre Disco-Funk-Sound und mixen ihn mit dem Besten des Italo Pop auf italienische Art: Lässig, frech und mit diesem unwiderstehlichen Hauch von Gigolo.

Eine zwölf Track lange Hommage an die 70er, die mit Titeln wie DO U WANNA DANCE oder LISTEN TO THE MUSIC Lust auf Discodancing macht.

 

 

LISTEN TO THE MUSIC – JOE DIBRUTTO – DELUXE SHOP.

WWF kritisiert die Verlage: Tropenholz für Bilderbücher

Die auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellte Studie „Tropenwaldzerstörung für Kinderbücher“ des World Wide Fund (WWF) hat bei 19 von 51 getesteten deutschen Kinderbüchern Anteile von Tropenholz nachgewiesen. Von Dezember 2008 bis August 2009 hatte das Labor Integrated Paper Services in Appleton (USA) die Bücher auf die im Papier enthaltenen Holzarten untersucht.

„Die nachgewiesenen Hölzer wie Shorea oder Rhizophora kommen in aller Regel nicht in extra angelegten Plantagen, sondern fast ausschließlich in tropischen Natur- und Urwäldern vor“, sagte WWF-Waldexpertin Nina Griesshammer. „Für die positiv auf Tropenholz getesteten Bücher, so der logische Schluss, muss natürlicher Tropenwald abgeholzt worden sein.“

Der WWF hatte 43 deutschsprachige Verlage geprüft und stichprobenartig Titel ausgewählt, um eine Faseranalyse von Seiten und Cover vorzunehmen. Bei 12 der 19 beanstandeten Bücher befand sich das Urwaldholz in den Buchseiten, bei sieben Büchern im Umschlagsmaterial und in eingeklebten Papierteilen. DER WWF nannte unter anderen „Warum wackelt Wackelpudding?“ (Bertelsmann Lexikon Institut, Tropenholzanteil 10,7 %), „Gegensätze entdecken mit dem kleinen Monster“ (Bloomsbury, 17,9 %), „Weltbeste Briefe von Felix“ (Coppenrath, 28,13 %), „Auf die Plätze … fertig los“ (Esslinger, 59,2 %), „Pixel“, (Fleurus, 4,6 %), „Bei uns zu Hause“ (Herder, 20,6 %), „Erforsche deine Umwelt“ (Kosmos, 19,8 %), „Doktor Thompson“ (Lingen, 34,5 %), „Meine kleine Satzwerkstatt“ (Moritz, 59,5 %, „Wall.E Sticker-Buch“ (Parragon, 16,4 %), „Freunde“ (Pattloch, 22,6 %) und „Tiger & Bär entdecken die Welt“ (Xenos, 20,2 %). Als positive Beispiele hob die Studie die Verlage Carlsen und Random House hervor, die stark auf Recyclingpapiere und Papiere aus nachhaltiger Waldwirtschaft setzen.

„Weil immer mehr der in Deutschland gekauften Bücher im Ausland und insbesondere in China produziert werden, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass durch den Kauf von Büchern in Deutschland Tropenwälder wie etwa in Indonesien zerstört werden. „Ausgerechnet Kinderbuchverlage sind mit verantwortlich dafür, dass die Lebensgrundlage der nachfolgenden Generationen zerstört wird“, kritisiert Johannes Zahnen, Papierexperte des WWF Deutschland, die Verlage. Unter dem Motto „Kein Kahlschlag für Kinderbücher“ hatten sich Artisten in Orang-Utan-Kostümen vom Kastor-Hochhaus in Frankfurt abgeseilt.

WWF kritisiert die Verlage: Tropenholz für Bilderbücher | NEWS VERLAGE | boersenblatt.net.

An der Kette

Welche Literatur in den Ladenregalen steht und beworben wird, das liegt immer seltener in der Hand der Verlage. Die Buchwelt klagt zwar stets über das Internet. Doch inzwischen ist klar, dass es zur Zerstörung einer ganzen Branche keiner neuen Medien bedarf: Ein Konzern wie Thalia besorgt das auf seine Weise. Das ist eine Geschichte, in der, obwohl sie vom Kulturgut Buch handelt, nicht wenige Leute Angst haben. Dazu gehört auch die Angst, zitiert zu werden, weshalb man diesen Leuten andere Namen geben muss.

Zum Beispiel ist da die Vertriebsleiterin eines mittelständischen Verlags. Sie möge Bachmann heißen. Die Frau Bachmann also gibt wieder, wie der Herr Busch sie einmal mit den Worten verabschiedete, nächstes Jahr sehe man sich wieder, und dann sei die Rolltreppe fällig. „Da“, sagt sie, „möchte man doch am liebsten einen Farbeimer schmeißen.“

Zur Rolltreppe später. Erst einmal zu Michael Busch. Er ist der Geschäftsführer der Buchhandelskette Thalia, und man geht nicht fehl, wenn man behauptet, es handle sich bei ihm um den mächtigsten Mann in der ganzen Branche.

Busch ist ein sportlicher Typ, mal erinnert er an den funkensprühenden Fußballtrainer Matthias Sammer, mal an den metallischen Bond-Darsteller Daniel Craig. Er hat nichts Zweifelndes, oder wenn er es hat, verbirgt er es gut.

„Zwei Sachen konnte ich mir nicht vorstellen, Bücher und Süßwaren“, sagt Michael Busch. Das war Anfang der 90er Jahre, und er, studierter Volkswirt, war bei Douglas fürs Controlling zuständig, und zu Douglas, der Parfümeriekette, gehörten damals schon Schoko-Hussel und Juwelier-Christ. Noch nicht Thalia. Stattdessen hatte man die linksalternative Montanus-Buchgruppe im Angebot. Und wie es manchmal so geht: Busch, der Verächter, wurde dort Geschäftsführer. Der Bruttoumsatz, den er am Anfang, 1995, erwirtschaftete, betrug 70 Millionen Euro. Jetzt, mit Thalia, sind es 800 Millionen. „Wir wollen eine Milliarde erreichen. Spätestens übernächstes Jahr möchten wir das schaffen“, sagt Busch, „da steckt wirklich eine Menge Herzblut drin.“

Übergangslos kommt er, dieser Zusatz. Busch definiert seinen Job über das Geld, das er macht, und nicht über die Bücher, die er vertreibt, um das Geld zu machen. Sie sind seinem Herzen ferner. Man merkt es, wenn man im Laufe eines langen Gesprächs die Namen Hans Henny Jahnn und Warlam Schalamow fallen lässt und er sie nicht kennt. Jahnn hatte in den 50er Jahren „Fluss ohne Ufer“ veröffentlicht, eine großartige Romantrilogie, von Schalamow erschienen zuletzt mehrere schonungslose Gulag-Geschichten. Der Normalbürger muss nun über die beiden gar nicht Bescheid wissen, doch für einen in der Literaturbranche Tätigen gehört es zum Einmaleins – gehörte es.

Und das ist die eigentliche Geschichte: Wie das Buch jetzt verkauft wird, als wäre es ein Deo oder ein Schokoriegel oder ein Ohrring, wie es, als allerletztes Produkt, in den harten, effizienten kapitalistischen Warenkreislauf geschoben wird, und was daraus folgt für das Buch.

Einerseits war es natürlich immer Teil dieses Kreislaufs. Es sollte sich schon rechnen; Verlage und Händler müssen nicht erst seit heute überleben. Andererseits war der Kreislauf ein kommoder. Es herrschte weitgehendes Einvernehmen zwischen beiden Seiten. „40 Prozent Rabatt gab’s für den Buchhändler, darüber hat man sich gar nicht mehr unterhalten“, erinnert sich Frau Bachmann. Es war die Zeit der Vertreter, die mit ihren schweren Koffern kreuz und quer durch die Republik reisten, darin auch immer Werke, von denen sie wussten, die würden nicht leicht verkäuflich sein, so wie es ja auch die Händler wussten, die sie dennoch bestellten und den Kunden empfahlen; es war die Zeit, in der die amerikanische Autorin Susan Sontag, in einem Berliner Buchladen stehend, verzückt ausrief: „What a long shelf life“, was für ein langes Regalleben! „Und ich“, sagt die Agentin und frühere Übersetzerin Karin Graf, die Sontag begleitete, „wusste damals gar nicht, wovon sie redete . . .“

Es war allerdings auch die Zeit, in der weniger intellektuelle Bürger, so sie sich überhaupt einzutreten trauten, gleich wieder aus dem Laden stürzten, weil der Inhaber, den neuen Habermas stapelnd, sie mit einem Blick bemaß, der nur eines ausdrückte, nämlich größten Unwillen.

„Konzentration“, sagt die Frau Bachmann, „war damals nicht mehr als ein Schlagwort für uns. Jetzt wissen wir, was es bedeutet.“ Sie klingt dabei nicht zynisch, nur müde und fast demütig.

800 der einst fast 5000 Buchhandlungen im Lande haben in den letzten zehn Jahren zusperren müssen; die Ketten steigerten im selben Zeitraum ihren Marktanteil ums Doppelte auf fast 30 Prozent.

2001, das war die Zäsur, kaufte Michael Buschs Gemischtwarenhandel die Thalia-Buchhandlungen. Man wollte, wie es in einer Firmenschrift heißt, „den lifestyleorientierten Wirtschaftssegmenten“, die man schon im Portfolio hatte, noch was Passendes hinzufügen; so ein Coelho, ist er denn nicht eine andere Art süßesten Marzipans? Von da an ging es Schlag auf Schlag. Man schluckte auch Bouvier, Buch & Kunst und andere. Heute führt Michael Busch 300 Filialen.

Diese Läden haben in der Regel mehrere Stockwerke. Und damit sind wir fast schon bei der Rolltreppe.

Erst aber tritt noch der Verleger eines kleinen, angesehenen Hauses auf, der alles, was seit 2001 geschah, sehr schön zusammenfassen kann. Er soll den Namen Frisch kriegen. Herr Frisch also fragt, was musste notwendigerweise auf die marktbeherrschende Stellung folgen, welche die Ketten, und er rede da nicht nur von Thalia, erlangt hätten? Nun, es musste folgen deren Versuch, auf Teufel komm raus steigende Margen zu erwirtschaften. Und weiter, wodurch sei nun dieser sozusagen systemimmanente Versuch gekennzeichnet? Ganz klar, durch Erpressung der Lieferanten, behauptet Frisch.

Es geht so: Thalia lädt, einzeln, an die 100 Verlage zu Jahresgesprächen, in denen die Zusammenarbeit für die nächsten zwölf Monate besprochen wird. Dabei dringen Buschs Leute auf höhere Preisnachlässe. Bei 40 Prozent ist heute niemand mehr, die wichtigsten Verlage geben 48 bis 50 Prozent, wobei von Gesetzes wegen bei 50 Prozent sowieso Schluss ist.

„Und was ist, wenn man nicht darauf eingeht, Herr Frisch?“ – „Dann wird man ausgelistet. Das schwebt immer im Raum. Genauso kann es übrigens passieren, dass man ausgelistet wird, wenn man sich öffentlich über die Erpressung mokiert. In einem solchen Fall ist es empfehlenswert, ebenso öffentlich Kreide zu fressen.“ – „Und was bedeutet das genau: ausgelistet werden?“ – „Man kommt mit seinen Titeln nicht mehr ins Thalia-Zentrallager. Wer aber dort nicht ist, kommt auch nicht automatisch in die Läden. Da Thalia bei den wichtigsten Verlagen schon 15 bis 20 Prozent des Umsatzes ausmacht, ist es für diese Häuser existenzgefährdend, gerade hier nicht vertreten zu sein.“

In der Branche, in der ein beständig Plappern ist, kursieren verschiedene Beispiele für derartige Auslistungen; man kann sich eines heraussuchen, also: Eichborn im Frühjahr 2007. Da war der Verlag auf einmal draußen bei Thalia. Und keine fünf Monate später war er wieder drin. Hatte eingelenkt. Weil er es sich gar nicht leisten konnte, hart zu bleiben. Zu den Geschichten, die über diesen Vorfall erzählt werden, gehört auch jene, wie der Thalia-Unterhändler auf der Leipziger Messe sich schon mit Eichborn geeinigt hatte und am nächsten Tag, nach einem Gespräch mit seinen Vorgesetzten, noch einmal bei den Buchmachern vorstellig wurde und eine abermalige Aufbesserung der Konditionen forderte. Die man ihm zähneknirschend gewährte. Zu den Kosten kam für den Verlag die Entwürdigung.

Aber aber, es gab damals gar keine Auslistung, wendet Michael Busch ein, und überhaupt nie gab es eine, denn: „Prinzipiell ist bei uns jedes Buch erhältlich. Jeder unserer Läden kann jedes Buch ins Sortiment nehmen.“ Und da hat er recht, theoretisch, doch praktisch ist es so, dass es auf ein Nichtbestellen hinausläuft. Nur wenn ein Kunde ausdrücklich nach einem bestimmten Titel eines mit Bann belegten Verlages verlangt, wird der ihm beschafft.

Es fallen einem die Milchbauern ein. Die, vom Handel nicht minder gedrückt, werfen ihre Trecker an und tuckern bis zum Kanzleramt. Die Büchermacher aber wettern hinter verschlossener Tür. Sie haben ein paar Mechanismen entwickelt, die es ihnen erlauben, sich halbwegs mit der Lage anzufreunden. Der Vertriebsleiter eines größeren Hauses, sagen wir, er hieße Hildesheimer, stellt sich, bevor er ins Jahresgespräch zieht, jedes Mal vor, wie die weiten Thalia-Flächen ohne Bücher aussehen würden. „Ganz leer und fad.“ Daraus zieht er Kraft. Frau Jelinek wiederum, kluge und zu feinem Spott fähige Kollegin Hildesheimers aus einem anderen Verlag, sagt: „Man verschließt die Augen vor manch grausamer Wahrheit. Täte man’s aber nicht, würde es ja nur in die Depression führen. Und wir brauchen doch tolle Stimmung im Haus!“

Nur einmal ist es zu einer Solidarisierung gekommen, 2005, als Michael Busch von den Verlagen eine Kostenbeteiligung für die Errichtung neuer Filialen verlangte. Da war er denn doch zu weit gegangen. Da fegte ihm die Entrüstung ins Gesicht. Da musste er schnell zurückrudern.

Und jetzt sind wir bei der Rolltreppe. Sie ist ein Synonym. Es könnte auch eine Kaffeebar sein. Wenn Michael Busch so eine Treppe für eine der Thalia-Buchhandlungen, respektive deren Finanzierung, von Frau Bachmann fordert, versucht er, die Verleger um noch ein paar mehr Dukaten zu erleichtern. Herr Frisch, der sattelfeste Theoretiker, bezeichnet dies als dritte Phase der Konzentration: „Auf das Verdrängen der Konkurrenz und das Erzwingen höherer Rabatte folgt ziemlich kreativ das Eintreiben von Zusatzgeldern.“

In Wahrheit war, nach allem, was man hört, Eichborn auch nicht allein wegen der Rabatte auf die Barrikaden gegangen. Längst werden Gesamtpakete verhandelt, darin enthalten Skonto und Boni. Rechnet man diese Summen den Preisnachlässen hinzu, so kassiert eine Kette wie Thalia von jedem halbwegs großen Verlag weit über die gesetzlich vorgeschriebenen 50 Prozent Rabatt hinaus.

Und die Verlage können das zahlen?

„Nein“, sagt Herr Handke, Vertriebschef eines in hügeliger Gegend beheimateten Hauses. „Mein Deckungsbeitragsrechner hat mir gerade ein Minus ausgespuckt. Ich kann die neuesten Forderungen nicht mehr erfüllen, beim besten Willen nicht. Aber wissen Sie, was das Schlimmste ist? Es gibt nie ein Stopp. Selbst wenn wir uns diesmal noch in der Mitte treffen sollten – beim nächsten Mal ist die vollständige Forderung wieder auf dem Tisch.“ Als hätte sie ihn gehört, sagt weit weg die Frau Bachmann, einem Laden wie Thalia fehle wirklich jedes Feingefühl, was in einem Verlag noch gehe und was nicht, ein Feingefühl, das andere doch nach wie vor aufbrächten.

Andere wie die Brüder Wrensch. Deren Großvater klapperte zu Zeiten, als Goethe noch kein Institut war, in Brasilien deutsche Firmen ab, um den Leuten Bücher und Heimatgefühle zu verkaufen. Mit den Einnahmen erwarb er die Buchhandlung Graff in Braunschweig. Die nun von seinen Enkeln geführt wird.

Klugerweise hatten sich die Wrenschs schon vor zehn Jahren vergrößert, von 1000 auf 2000 Quadratmeter. Einerseits waren sie an Grenzen gestoßen, andererseits wollten sie durch stärkere eigene Präsenz die Filialisten fernhalten. Sechs Jahre gelang das. Dann erschien Michael Busch mit einer freundlich klingenden Frage: Können wir nicht was gemeinsam machen? Seine Vorstellung von Gemeinsamkeit war, den Brüdern einen Anteil von 25 Prozent zu belassen, freilich nur für fünf Jahre, und sie in ihrem früheren Laden zu beschäftigen, wenngleich nur für drei Jahre, und ihnen gut ein Dutzend Entlassungen aufzubürden sowie das volle Risiko für Arbeitsgerichtsprozesse.

„Wie bestimmen Sie den Kaufpreis, fragten wir ihn, was ist der Markt? – Ich bin der Markt, antwortete Busch uns.“

Und wenn sie bis dahin ernsthaft über einen Verkauf an Thalia nachgedacht hatten, so gewannen nun Stolz und Trotz die Oberhand; wie es eben ist bei Menschen, denen man unverschämt kommt. „Lieber in Ehren untergehen . . .“

O ja, untergehen, das werdet ihr, prophezeite man ihnen, ihr brecht um 30 Prozent ein, ihr werdet schon sehen!

Aber sie hielten, als er keine 500 Meter von ihnen entfernt seine Innenstadt-Filiale aufmachte, dagegen. Legten sich ein gewaltiges Zeitschriftensortiment zu. Eröffneten eine CD-Abteilung. Und sie leisteten und leisten sich doch weiter ein langes Regal mit Kunstbüchern und eines mit Klassikern; da stehen zum Beispiel Johnsons „Jahrestage“, während sie nebenan bei Thalia nicht stehen; weil sie sich nämlich nicht drehen, wie Michael Busch sagt, womit er meint, sie verkaufen sich nicht oft und schnell genug.

„Und trotzdem muss man sie haben“, sagt Thomas Wrensch lächelnd. „So etwas gehört zur Seele eines Buchladens. Wir haben eine Seele. Thalia hat keine.“

Die Wrenschs haben geschafft, was andernorts kleinere Händler nicht schafften, sie haben auch finanziell obsiegt. Sie können das auf profane Art messen. Man schicke kurz vor Ladenschluss einen Mann an jede Kasse der Konkurrenz und lasse ihn irgendwas kaufen, Postkarte reicht. Er erhält einen Bon, auf dem er ablesen kann, der wievielte Kunde er ist. Demnach kommt Thalia auf ein Drittel des Umsatzes der Buchhandlung Graff, so rechnen es die Gebrüder Wrensch.

„Es wird gemunkelt, Ihre City-Filiale in Braunschweig könnte zugemacht werden, Herr Busch.“ – „Das schließe ich definitiv aus“, erwidert er. „Wir denken über dieses Szenario gar nicht nach.“ Vielleicht aber nur so lange nicht, bis der Mietvertrag abgelaufen ist. Erst dann macht eine Schließung ja Sinn. In Berlin-Steglitz ist sie den Mitarbeitern schon avisiert. Es wird die zehnte Aufgabe einer deutschen Thalia-Filiale innerhalb von fünf Jahren sein. Expansion und Verdrängung, zu wild betrieben.

Aber ist denn alles schlecht an Thalia (und an Hugendubel/Weltbild, dem großen Konkurrenten, der sich erst genauso aufgebläht und zuletzt gar Hunderte Angestellte ausgeschieden hat)? Kein grünes Ampelmännchen zu sehen?

Doch. Man erinnere sich des habermasstapelnden Misanthropen: In der Anonymität der Ketten kaufen Menschen Bücher, die vorher keine gekauft haben.

Auch betreibt Michael Busch, nach eigenen Worten, Werbung für die Branche. Und zwar mit den Prospekten, die Thalia in einer Auflage von bis zu acht Millionen unters Volk streut. „Da steigen genauso die Verkaufszahlen der anderen Buchhändler, das tut allen gut.“

Noch einmal hat er recht, und noch einmal ist alles, genau betrachtet, viel komplizierter und gar nicht mehr erfreulich.

15 000 Euro kostet ein Titel im Weihnachtsprospekt 2009. Der Preis für ein „Thalia-Buch des Monats“ liegt bei 50 000 Euro. Dafür haben die Verlage die Gewähr, dass diese Titel erstklassig sichtbar präsentiert werden. Alle anderen, ausgenommen solche, die schon Bestseller sind, verschwinden dagegen im Regal, wo sie kaum wahrgenommen werden. Und daher bezeichnet Herr Frisch jene Summen, die offiziell Werbekostenzuschüsse heißen, schlicht als Eintrittsgelder. Man muss sie zahlen, wenn man da, wo rasant verkauft wird, vertreten sein will.

50 000 Euro für einen Monat, in einer Kette, für einen Titel, wer bringt die schon auf? – Regelmäßig ein Konzern wie Random House. Selten ein unabhängiges Haus wie Suhrkamp oder Hanser. Und gar nie ein kleines wie Matthes & Seitz.

Das ist der Verlag, in dem die Geschichten Schalamows erscheinen. Die Vertriebsleiterin dort heißt Nora Pester; sie braucht kein Pseudonym, sie ist die einzige auf Verlagsseite, die sich vorbehaltlos zitieren lässt, sie hat ja nichts zu verlieren, sie sagt: „Thalia ist für uns wie eine Mauer. An der prallen wir ab.“

Bis vor ein paar Jahren war noch eine Tür in dieser Mauer. Durch die kamen, und gingen weiter in jede einzelne Filiale hinein, die Verlagsvertreter, und da sie die Einkäufer vor Ort kannten und schätzten, so wie sie von denen geschätzt wurden, gelang es ihnen, Sachen wie jene von Schalamow an den Mann zu bringen.

Vorbei. Michael Busch hat die Tür zugemauert. Es darf seit diesem Jahr kein Vertreter mehr zu Thalia, und wenn man ihn fragt, warum, sagt er ein paar Worte, die ein Büchervertreter vielleicht gar nicht lesen sollte, weil sie letztlich nur deprimierend sind: „Viele dieser Gespräche waren nicht effizient. Ganz viel irrelevante Kommunikation. Was für Zeit da teilweise vergeudet wurde bei der Weitergabe von Informationen, für die eine Seite Papier reicht – Titel, Thema, Werbemaßnahmen! Es geht um einen guten Überblick.“

Die Kommunikation gestaltet sich jetzt folgendermaßen: Der Verlag fertigt eine extra Vorschau für jede Kette. Darin geht es nicht mehr um einen Buchinhalt, sondern, wie der Herr Handke sarkastisch sagt, „darum, ob man zwei Seiten in der Brigitte kriegt oder seinen Autor zu Kerner und wie viele Exemplare dieser Autor beim letzten Mal bei Thalia verkauft hat“. So was steht da drin. Und anhand dieses Materials ordert eine Gruppe von Einkäufern die ihrer Meinung nach wichtigsten Bücher für ganz Thalia. Nicht einmal die Anzahl jener sogenannten A-Titel darf von den Filialen selbst bestimmt werden. Sie wird von der Zentrale vorgegeben.

Am Ende muss man noch einmal die Frau Jelinek hören; wie sie reagiert, wenn man das Wort Fehlentwicklung fallenlässt. „Fehlentwicklung? Ich schimpfe darüber nicht, ich sehe das gelassen, bitte schön, es ist doch bloß der letzte Schritt.“

Das Buch, das immer auch eine Ware war, ist bei Thalia zur ausschließlichen Ware geworden. Die obersten Verkäufer sehen vollkommen von deren Inhalt ab.

Und da das so ist, verliert die Frau Jelinek dann doch ihre Gelassenheit und erzählt von den Schmerzen, die es allen in ihrem Verlag jedes Mal bereitet, wenn sie die paar Autoren auswählen müssen, welche mit ihren Neuerscheinungen überhaupt in jene dünne, dem mächtigen Thalia-Einkauf mundgerecht servierte Extravorschau kommen. In die Verlosung, bei der die Bestseller gezogen werden. Nur etwa jeder Achte hat bei ihr das Glück. „Das ist schrecklich für die anderen.“

Die Bestseller nämlich werden durch das Vorgehen der Ketten immer bestselleriger, der große Rest fällt immer schneller aus den Regalen in die Vergessenheit. Heute verkauft die Frau Jelinek, und sie und ihr Haus bürgen für Qualität, von jeder fünften ihrer Roman-Novitäten weniger als 1000 Exemplare. Vor zehn Jahren waren solche Flops noch zu vernachlässigen. Was das alles fürs Leben & Sterben der eigentlichen Produzenten, der Schriftsteller, bedeutet, liegt auf der Hand.

Und in zehn Jahren? Werden wir darüber berichten, ob irgendwann wirklich ein Farbeimer geflogen ist.

An der Kette – jetzt.de – Kultur – jetzt.de.

Bundesgerichtshof entscheidet über Übersetzerhonorare: Übersetzern steht Erfolgsbeteiligung zu

Der BGH hat entschieden, dass Übersetzern grundsätzlich ein Garantiehonorar und zudem eine Erfolgsbeteiligung zustehe. Jedoch müsse beides miteinander in Verbindung gebracht werden. Die in der Branche gezahlten Normseitenhonorare betrachtete das Gericht als grundsätzlich angemessen, jedoch sei der Übersetzer außerdem an der wirtschaftlichen Nutzung seiner Arbeit angemessen zu beteiligen. Die Beteiligung soll 0,8 Prozent für Hardcover und 0,4 Prozent für Taschenbücher betragen. Sie erfolgt grundsätzlich ab dem 5000. verkauften Exemplar.

Bezüglich der Nebenrechte entschied der BGH, dass der Lizenznettoerlös, also der Erlös nach Abzug der Vergütungen weiterer Rechteinhaber, zwischen Verlag und Übersetzer geteilt wird. Das Urteil bedeutet, dass die Schere zwischen Übersetzer von Bestsellern auf der einen und weniger verkäuflichen Titeln auf der anderen Seite gravierend auseinanderklafft.

Der Vorsitzende Richter Joachim Bornkamm räumte offen ein, dass dem Gericht eine »ungewöhnliche Rolle« zugekommen sei: »Es ging darum, eine Art Tarifvertrag festzulegen.« Man habe diese Rolle übernehmen müssen, doch sei es unmöglich, alle Details zu klären, dies bleibe Vertragsverhandlungen zwischen den streitenden Parteien überlassen. Das Gericht werde mit Spannung verfolgen, wie das Urteil in der Branche aufgenommen wird.

Hier die Presseerklärung des Gerichts:

Der für das Urheberrecht zuständige I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat entschieden, dass Übersetzer literarischer Werke grundsätzlich einen Anspruch auf angemessene Vergütung in Form einer prozentualen Beteiligung am Erlös der verkauften Bücher haben.

Die klagende Übersetzerin hatte sich gegenüber der beklagten Verlagsgruppe im November 2001 zur Übersetzung zweier Romane aus dem Englischen ins Deutsche verpflichtet. Sie räumte dem Verlag sämtliche Nutzungsrechte an ihrer Übersetzung inhaltlich umfassend und zeitlich unbeschränkt ein. Dafür erhielt sie das vereinbarte Honorar von rund 15 Euro für jede Seite des übersetzten Textes.

Die Klägerin ist der Ansicht, das vereinbarte Honorar sei unangemessen. Sie hat von der Beklagten deshalb nach § 32 Abs. 1 Satz 3 UrhG eine Änderung des Übersetzervertrages verlangt. Nach dieser Bestimmung – die im Juli 2002 in Kraft getreten und grundsätzlich auf seit Juli 2001 geschlossene Verträge anwendbar ist – kann der Urheber von seinem Vertragspartner die Einwilligung in die Änderung des Vertrages verlangen, falls die vereinbarte Vergütung nicht angemessen ist.

Landgericht und Berufungsgericht haben der Klage teilweise stattgegeben. Auf die Revision der Parteien hat der Bundesgerichtshof das Berufungsurteil aufgehoben und die Sache an das Berufungsgericht zurückverwiesen.

Der Bundesgerichtshof hat die Auffassung des Berufungsgerichts gebilligt, dass die Klägerin von der Beklagten grundsätzlich die gewünschte Einwilligung in eine Vertragsänderung verlangen kann. Das von den Parteien zur Abgeltung sämtlicher Rechte vereinbarte Pauschalhonorar von etwa 15 Euro je Seite sei zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses zwar branchenüblich gewesen. Eine solche Vergütung sei jedoch im Sinne des Gesetzes unangemessen, weil sie das berechtigte Interesse der Klägerin nicht wahre, an jeder wirtschaftlichen Nutzung ihrer Übersetzung angemessen beteiligt zu werden. Zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses sei nicht absehbar gewesen, dass die Übersetzung bis zum Erlöschen des Urheberrechts siebzig Jahre nach dem Tode der Klägerin (§ 64 UrhG) nur in einem Umfang genutzt werde, dass das vereinbarte Pauschalhonorar angemessen sei.

Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass der Übersetzer eines literarischen Werkes, dem für die zeitlich unbeschränkte und inhaltlich umfassende Einräumung sämtlicher Nutzungsrechte an seiner Übersetzung lediglich ein für sich genommen übliches und angemessenes Seitenhonorar als Garantiehonorar zugesagt ist, daneben ab einer bestimmten Auflagenhöhe am Erlös der verkauften Bücher prozentual zu beteiligen ist. Diese zusätzliche Erfolgsbeteiligung setzt bei einer verkauften Auflage von 5.000 Exemplaren des übersetzten Werkes ein und beträgt normalerweise bei Hardcover-Ausgaben 0,8% und bei Taschenbüchern 0,4% des Nettoladenverkaufspreises. Darüber hinaus kann der Übersetzer – so der Bundesgerichtshof – grundsätzlich die Hälfte des Nettoerlöses beanspruchen, den der Verlag dadurch erzielt, dass er Dritten das Recht zur Nutzung des übersetzten Werkes einräumt. Dabei ist unter Nettoerlös der Betrag zu verstehen, der nach Abzug der Vergütungen weiterer Rechteinhaber verbleibt und auf die Verwertung der Übersetzung entfällt.

Da das Berufungsgericht noch nicht geprüft hat, ob im konkreten Fall besondere Umstände vorliegen, die eine Abweichung von den im Regelfall angemessenen Sätzen rechtfertigen, wurde die Sache an das Oberlandesgericht zurückverwiesen.

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Alles in Butter (Horst Lichter)

Amazon.de-Kurzbeschreibung
Der Koch, der sein Herz auf der Zunge trägt

Jetzt ist es so weit – das wahre Horst-Lichter-Kochbuch kommt! Kaum ein Koch ist im deutschen Fernsehen in den letzten Jahren so populär geworden wie Horst Lichter. Ob als Gastkoch oder als Moderator – der Mann mit dem Bart hat die rheinische Frohnatur in unsere Küchen gebracht. Wo Lichter kocht, wird gelacht.

Sein Geheimnis sind sein Humor und seine Leidenschaft für Deftiges: Lange hat kein Spitzenkoch so offen von Butter und Sahne geschwärmt und Hausmannskost sowie vergessene Klassiker der deutschen Küche auf unsere Teller zurückgeholt. »Der Horst kann viel mehr, als er uns manchmal zeigt, der weiß genau, wie man auf höchstem Niveau kocht!« sagt über ihn kein geringerer als Sternekoch Alfons Schuhbeck.

Alles in Butter ist ein wundervolles Kochbuch und mehr als das: In Kapiteln wie »Aus dem Nähkästchen«, »Klassiker einmal anders« oder »Was ich heimlich von Johann Lafer gelernt habe« serviert Horst Lichter skurrile Storys aus seinem Leben, Sprüche zum Schmunzeln, Hintergründiges über Zutaten und Zubereitung, Tipps und Tricks.

· Das wahre Horst-Lichter-Kochbuch mit vielen neuen Rezepten und exklusiven Fotos

· Klassiker, mal ganz anders und zwar so, dass man sie wirklich nachkochen kann und keine Tellermalerei!

· … das wird so sein wie ich, wie man mich kennt: mit Anekdötchen, mit Geschichten und mit Blödsinn!

· Tausend tolle Geheimnisse aus der Welt der Küche

Das Fragment

Eine alte Schrift, ein gefährliches Geheimnis Anna van Amstel kommt zu einem nur zur Hälfte erhaltenen Schriftstück. Der Inhalt gibt ihr und Professor Barieux, dem Übersetzer, Rätsel auf. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach der anderen Hälfte. Doch auch eine gefährliche Bruderschaft jagt dem geheimnisvollen Fragment hinterher.

Ton van Mourik, Weltbild Buchverlag, 2009, 1, 288 Seiten, Maße: 12,3 x 18,5 cm, Kartoniert (TB)

Rico Beutlich – der neue Star am Literaturhimmel

„Sie haben tolle Ideen!“

Zuschussverlage locken Möchtegern-Autoren mit vollmundigen Versprechen. „Rico Beutlich“, der ein Nonsense-Manuskript einsandte, deckte die Praktiken auf. Ein Gespräch mit Ricos Erfindern.

Die 60 Mitglieder starke Autorenvereinigung „42er Autoren“ sieht sich als „Verein zur Förderung der Literatur“. Ihren Sitz hat die Gruppe im brandenburgischen Putlitz, wo sie in diesem Jahr zum sechsten Mal den „Putlitzer Preis“ für die beste Kurzgeschichte vergibt (Erster Preis: 150Euro). Bundesweit bekannt wurden die Literaten jetzt durch eine originelle Aktion ihrer Mitglieder Michael Janßen, Michael Höfler und Tom Liehr.

SZ: Herr Liehr, wer ist Rico Beutlich?

Liehr: Rico Beutlich ist ein junger Krankenpfleger aus Dresden. In der Hauspostille des Pflegewohnheims Dresden-Prohlis hat er einmal den Aufsatz „Homöopathie in der Sterbebegleitung“ veröffentlicht – ansonsten trat er literarisch nicht weiter in Erscheinung. In seiner Freizeit ist Beutlich Kostümwart beim Indianerclub Radebeul. Nun möchte er Schriftsteller werden. Deshalb schickte er sechs Verlagen in Deutschland und Österreich sein 824 Seiten starkes Manuskript.

SZ: Wie fanden die Verlage Beutlichs Buch?

Liehr: Fünf von sechs Verlagen fanden sein Buch „spannend“, „bemerkenswert“, „eindringlich“, „hochinteressant“, „gut bearbeitet“, „fundiert“ und „packend“. Die Reaktionen der Verlage liegen mir schriftlich vor.

SZ: Diese Einschätzungen sind bemerkenswert. Schließlich hat Beutlichs Roman weder Struktur noch Sinn.

Liehr: Stimmt. 814 Seiten des Romans sind aus dem Internet kopierte, sinnlos zusammengestopselte Textbausteine. Nur die ersten zehn Seiten wurden tatsächlich von Beutlich verfasst.

SZ: Sätze wie „Kevin-Lukas wachte auf. Und er kuckte aus dem Fenster und was er da sah war auch nicht gut, alles voll Regen. Große Tropfen, kleine Tropfen und dazu sehr viele mittelgroße Tropfen sind auch da“. Herr Liehr, in Wirklichkeit gibt es den Autoren Rico Beutlich doch gar nicht.

Liehr: Richtig. Rico Beutlich ist eine Erfindung unserer Autorenvereinigung. Das eingereichte Buch aber und die Reaktionen der Verlage sind echt.

SZ: Was soll diese Aktion?

Liehr: Es gibt Verlage, die sich „Zuschuss-“, „Service-“ oder „Dienstleistungsverlage“ nennen und Autoren mit dem vollmundigen Versprechen locken, gegen einen Zuschuss im vier- bis fünfstelligen Bereich ihr Werk zu einem Bestseller werden zu lassen. Wir wollten wissen, welche Qualität diesen Unternehmen dabei noch förderungswürdig erscheint. Schließlich tragen einige dieser Verlage die Namen großer Dichter oder Künstler im Firmenschild. Das sollte sie eigentlich verpflichten.

SZ: Was haben diese Verlage dem Autoren Beutlich denn so alles versprochen?

Liehr: Ein Verlag schrieb: „Wir freuen uns darauf, Ihr Buch alsbald auf den internationalen Markt zu bringen“. Man versprach eine „US-amerikanische oder britische“ ISBN-Nummer sowie den Auftritt des Autors im Deutschen Literaturfernsehen. Ein anderer Verlag antwortete: „Sie haben wirklich tolle Ideen und verstehen es mit ihrer lebendigen Schreibweise, den Leser unmittelbar in das Geschehen eintauchen zu lassen.“ Gegen Aufpreis sollten Kinowerbespots geschaltet werden, eine Werbeanzeige bei Google auftauchen und eine für Beutlichs Werk werbende Briefmarke gedruckt werden – in einer Auflage von 100 Stück.

SZ: Warum nur 100 Stück?

Liehr: Laut Verlag sollte sich mit der geringen Auflage der besondere Sammlerwert der Briefmarke erhöhen.

SZ: Aha. Nur ein einziger Verlag wollte Beutlichs Roman nicht ins Programm aufnehmen?

Liehr: Ja. Man könnte wahrscheinlich auch sagen: Nur ein einziger Verlag hat das eingereichte Werk überhaupt wenigstens mal kurz durchgeblättert. Rico Beutlich ist aber dennoch zu einem Star geworden. Im Internet läuft sehr erfolgreich ein Video mit seiner Autorenlesung. In Wirklichkeit aber wird Beutlich dort von Michael Janßen aus unserer Autorenvereinigung dargestellt.

SZ: Wofür steht Beutlich?

Liehr: Rico Beutlich steht exemplarisch für viele bedauernswerte, talentfreie Autoren, die sich – menschlich verständlich – über das Lob der Verlage freuen, auch wenn es rein wirtschaftlich motiviert ist. Andererseits vernichten solche Verlage womöglich auch literarische Perlen, die man nur einmal anständig lektorieren müsste. Das wollten wir mit unserer Aktion zeigen.

SZ: Schon jetzt ist Rico Beutlich in zahlreichen Diskussionsforen zum Pseudonym des talentlosen, aber ausgebeuteten Autors geworden.

Liehr: Dieser Erfolg hat uns selber überrascht.

Quelle: sueddeutsche.de

Aufruhr im Buchstabenland – Ikea feuert die Futura

Der neue Ikea-Katalog ist da – und eine ganze Berufsgruppe ist völlig verstört: Ikea hat etwas Unfassbares gewagt.

Seit einigen Tagen wird auch in Deutschland der neue Ikea-Katalog verschickt, und bald soll die Gesamtauflage, 200 Millionen Stück, in der Welt sein. Aus dem bislang auf die USA begrenzten Sturm der Typographen müsste demnach in diesen Tagen ein globales Unwetter werden, das über das schwedische Möbelhaus hereinbricht.

Seit der Katalog 2010 in den USA verbreitet wird, sind die Gestalter in Aufruhr. Denn Ikea hat etwas Unfassbares gewagt: Nach sechs Jahrzehnten hat die Firma das angestammte Schriftbild, eine maßgeschneiderte Version aus der „Futura“-Familie, zugunsten der digital angeblich besser lesbaren Schriftart „Verdana“ ersetzt. Das Donnergrollen im Reich der Buchstabenkunst schwillt seither an, gilt doch die Futura als Schrift gewordener Sehnsuchtsort der Moderne, als Ausweis von Sachlichkeit und Zukunftsfähigkeit.

Krieg der Schriften

In den Blogs, auf Twitter oder in anderen Netzen wird der Wechsel der Buchstaben als „Paradigmenwechsel“, als „Werteverlust“ oder gar als „Font War“ (Time) beschrieben, als Krieg der Schriften also. Es kursiert eine Petition im Internet und ein Aufruf, Ikea-Produkte zu boykottieren. Die Gemeinde gibt sich wahlweise „entsetzt“, „schockiert“ oder „gepeinigt“ ob der Verdana-Zumutung. Man fragt sich, warum eine Branche, in der es naturgemäß um feinste Proportionen geht, außerstande erscheint, die Maßstäbe zu wahren. Krieg ist etwas anderes.

Übrigens kämpfen auch die Futuristen im Internet unter dem Zeichen der Verdana. Geschaffen für Microsoft, hat sich die Verdana seit einem Jahrzehnt auf digitalem Terrain durchgesetzt, weil sie über großzügige Buchstabenabstände und deutliche Zeichendifferenzierungen verfügt, daher auch bei kleinen Schriftgrößen und auf dem Bildschirm als besser lesbar gilt. Mag sein. Jedenfalls wollte Ikea den Online-Katalog und die gedruckte Ausgabe einander angleichen. Die Entscheidung gegen die Futura ist schlicht dem Online-Zeitgeist geschuldet. Man muss das auf Papier nicht bejubeln. Aber soll man es fürchten?

Klobig wie eine Hantel

Richtig ist: Das Wort „Ivar“ (ein Regal), geschrieben in Verdana, ist alles andere als ästhetisch. Das „I“ ist, statt ein schlanker Strich zu sein, klobig wie eine Hantel, dem „v“ hat man die schneidige Spitze geplättet, das „a“scheint sich für die Rückkehr der Serifen stark zu machen – und auf dem überlangen Kragarm vom „r“ könnten sich ganze Vogelschwärme niederlassen. Schön ist die Verdana nicht. Die Futura, die letztlich dem Bauhaus entstammt und seit 1927 bekannt ist, wirkt deutlich kultivierter.

Aber all jenen, die monieren, dass Ikea dank der Verdana nun „billig“ erscheine, kann man sagen, dass Billigkeit dem Ikea-Programm nicht fremd ist. Und die Bauhaus-Ideale, die Ikea erfolgreich gemacht haben, hat das Möbelhaus vor langer Zeit hintangestellt. Was aber die Typographie angeht, so sei auf Otl Aicher verwiesen, auf einen der großen Gestalter der Moderne. Ihm zufolge liegt das Wesen der Typographie „nicht in der Kunst, sondern in der Kommunikation“. Lesbarkeit ist kein Tabubruch. Übrigens: Es geht um einen Katalog.

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Aufruhr im Buchstabenland – Ikea feuert die Futura – Wirtschaft – sueddeutsche.de.

Servus Müchen: Blumenbar Verlag zieht nach Berlin

Der in München ansässige Blumenbar Verlag wird bis spätestens Oktober nach Berlin umziehen. Das bestätigte Verlagsleiter Wolfgang Farkas.

Büroräume im Stadtteil Mitte seien schon gefunden. Noch laufen Gespräche mit einem Berliner Partner. Weitere Details will der Verlag nächste Woche bekanntgeben. Blumenbar versteht sich als Label für zeitgemäße Bücher sowie für kulturelle Events.

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Servus Müchen: Blumenbar Verlag zieht nach Berlin | NEWS VERLAGE | boersenblatt.net.

Reader’s Digest USA vor Insolvenzantrag

Reader’s Digest will in den USA Insolvenz anmelden. Ziel ist eine Reduzierung der Schuldenlast und die bessere Positionierung des Unternehmens.

Der Insolvenzantrag betreffe ausschließlich die Reader’s Digest Unternehmen in den USA. Alle Reader’s Digest Gesellschaften in Kanada, Lateinamerika, Europa, Afrika, Asien und Australien/Neuseeland würden ihre Geschäfte wie gewohnt weiterführen, meldet das Unternehmen. „Dies ist eine finanzielle Maßnahme zur Reduzierung der Schuldenlast des Konzerns, die sich ausschließlich auf die USA beschränkt“, betont der Konzern Reader’s Digest.

Werner Neunzig, Geschäftsführer Reader’s Digest Deutschland, Schweiz, Österreich in Stuttgart: „In den vergangenen fünf Jahren konnte unsere lokale Gesellschaft in Folge ein stetiges Wachstum von Umsatz und Gewinn erzielen. Angesichts des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds ist dies eine besondere Leistung. Unsere Geschäftstätigkeit ist stabil und hochprofitabel und wir werden sie daher in unserem lokalen Markt Deutschland, Schweiz und Österreich unverändert erfolgreich weiterführen.“

Der Verlauf des Geschäftsjahres 2009, das am 30. Juni endete, sei für Reader’s Digest Deutschland, Schweiz, Österreich „sehr zufriedenstellend“. So konnte der Umsatz nach Angaben des Unternehmens in der Region um 5,4 Prozent gegenüber dem vorigen Geschäftsjahr gesteigert werden.

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USA: Reader’s Digest USA vor Insolvenzantrag | NEWS | boersenblatt.net.